Banner Stephanuskonzerte

Das Requiem von Mozart begeistert die Zuhörer in der Kirche

Vor der Kirchentüre standen die Besucher Schlange. Ein Bild, das Dekan Andreas Straub so wohl nicht oft sieht. Um so größer die Freude des Pfarrers von St. Stephan über den unerwartet großen Andrang für die Aufführung des Mozart-Requiems, das auf der Hitliste Legenden umwobener, klassischer Meisterwerke ohne Zweifel einen Spitzenplatz einnimmt. Die an dieses Opus von den Besuchern gestellten Erwartungen wurden in jeder Hinsicht erfüllt.

Kirchenchor und Orchester der Pfarrei St. Stephan sowie der Mindelheimer Kammerchor „vocal total“ und vier Solisten bescherten dem Publikum eine Sternstunde geistlicher Musik, die so recht in die Zeit um Allerseelen und Totensonntag passte. Das Konzert konnte durchaus mit Aufführungen auf großen Bühnen konkurrieren. Dies war nicht zuletzt das Verdienst des Kirchenmusikers und Dirigenten Michael Lachenmayr wie auch des Chorleiters Ottmar Einsiedler, der das spirituelle und Kraft ausstrahlende Opus einstudiert hatte.

Um kaum ein anderes Werk, wie um Mozarts „Seelenmesse“ ranken sich so viele Mythen, Geheimnisse und Spekulationen. Schon schwer erkrankt, konnte der Komponist das Werk nicht mehr vollenden und hinterließ von manchen Sätzen nur Skizzen. Sein Schüler Franz Xaver Süßmayr vervollständigte das Werk anno 1792, ein Jahr nach Mozarts Tod und schuf damit ganz großes Kino für Klassikfans. Dies sahen auch die Besucher des „Stephanus-Konzertes“ in der Mindelheimer Stadtpfarrkirche so. Mit minutenlangem Beifall feierten sie Musiker, Sänger und Solisten.

Der eindrucksvolle Einsatz von Stimm- und Orchesterfarben vertieften die Glaubensbotschaft der Texte und brachten sie wirkungsvoll zum Klingen. Haupttonart des Requiems ist d-moll, die häufig ernster oder auf das Jenseits bezogenen Dingen bezogen wird. Zudem vermittelte das Mozart-Opus eine Vielfalt von Emotionen, die Menschen angesichts des nahen Todes empfinden.

Da waren aus Gesang und auch dem dunklen, jedoch weichen Klang der Instrumente Verzweiflung, Angst, Wut und Trauer, aber auch Trost und Hoffnung herauszuhören. Der Chor folgte dem Dirigat präzise, engagiert und weitgehend sprachverständlich. Ihm zur Seite stand ein respektables Solisten-Quartett. So überzeugten Martin Burgmair mit dunklem Bass, die Altistin Silvia Mütterlein mit viel Wärme in der Stimme. Auch Tenor Udo Scheuerpflug meisterte seinen Part mit Bravour und Irina Firouzi gefiel mit hellem Sopran.

Atemberaubende Klänge erfüllten das Gotteshaus bei diesem musikalischen Spannungsbogen zwischen Todesfurcht und Gottvertrauen. Man mochte kaum an eine Totenmesse, allenfalls an eine Tröstungsmesse glauben, welche die Gefühle des Menschen auf der einen und den Zorn Gottes auf der anderen Seite ausdrückt. Zu hören war Erdenmusik, für alle die sterben und für die, die bleiben müssen.

„Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, erinnerte Pfarrer Straub in seinem Grußwort. Mit Mozarts Requiem in d-moll sahen sich die Konzertbesucher unvermittelt mit dieser Thematik konfrontiert.

Der offene Schluss von Mozarts letzter und wohl berühmtester Komposition ist möglicherweise als Hinweis zu deuten: Die Furcht vor dem Tod kann durch Gottvertrauen überwunden werden.

Artikel aus der Mindelheimer Zeitung