Banner Stephanuskonzerte

Jubel und großer Beifall für die Improvisationen von Professor Wolfgang Seifen

Die „Stephanuskonzerte“ boten zum Saisonabschluss einen ganz besonderen Höhepunkt für Freunde der Orgelmusik in der Mindelheimer Stadtpfarrkirche. Regelrechte Begeisterungsstürme waren zu hören und die Gäste applaudierten im Stehen. Es war eine Sternstunde der Orgelmusik. Zu Gast war Professor Wolfgang Seifen, Titularorganist an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin, angekündigt für dieses Sonntagskonzert war schlicht „Improvisation an der Orgel“. Über eineinhalb Stunden spielte Seifen, improvisierte im „deutsch-romantischen Stil“ und im „deutschen Barockstil“, wie es auf dem Programmzettel hieß, zeigte welch außerordentlichen Klangrahmen die Orgel in der Stephanuskirche doch hat.

Seifen, der neben dutzenden CD-Einspielungen auch zahlreiche Kompositionen zu seinen Leistungen zählen darf, darunter ein Werk zum 80. Geburtstag von Papst Benedikt, ist seit 2000 auch Professor für Improvisation und Liturgisches Orgelspiel an der Universität der Künste in Berlin.

Was vielen unvorstellbar ist, im Moment des Spielens nämlich die Musik noch kreativ zu gestalten, gelingt ihm mühelos. Es ist, als wäre die Musik schon immer da, stünde in seinem Kopf bereit und warte nur auf den richtigen Augenblick, sich zu entfalten. Vor allem die „Symphonische Phantasie und Fuge im deutsch-romantischen Stil“ brach sich derart impulsiv Bahn, war raumfüllend und überwältigend wie die Orgel es nur sein kann, dass man schon als Zuhörer atemlos werden konnte.

Das Besondere am Konzert war aber nicht nur der Klang: Seifens Spiel wurde auf eine Leinwand in den Altarraum übertragen, was zunächst eine ganz ungewöhnliche Atmosphäre entstehen ließ, dann aber ausgesprochen reizvoll war.

Ungewöhnlich, weil man doch als Orgelkonzertbesucher durchaus daran gewöhnt ist, sich ganz in die Musik zu versenken, nun aber von dem Bildschirm wie magisch angezogen war. Reizvoll indessen, weil so natürlich endlich einmal auch die „Arbeit“ des Organisten sichtbar wurde, die ungeheure Fertigkeit Seifens, seine elegante Leichtigkeit dabei, obwohl offensichtlich wurde, wie umfangreich auch die Beinarbeit eines Organisten doch ist. Kurzum, es war ein spannender Zugewinn, diesen optischen Eindruck zu haben und sicherlich gelang es den meisten, sich dennoch irgendwann von dem Bild zu lösen und erneut ganz in die Musik einzutauchen.

Das dritte Stück, die „Symphonie pour Grand Orgue“ spätestens ließ ohnehin kaum Zeit für den optischen Reiz. Zu umfassend und dabei fordernd war das musikalische Erleben in den Wechseln vom furiosen Allegro über ein leichthändig klingendes Andante und einem düster-geheimnisvollen Scherzo hin zu dem hauchzarten, einfühlsamen Adagio espressivo. Dem Finale und dem enthusiastischen Applaus ließ Wolfgang Seifen eine Zugabe folgen: Mit „Guten Abend, gute Nacht“ verabschiedete er ein hingerissenes Publikum.

Artikel aus der Mindelheimer Zeitung